Gotica Parisina (Terminus Scardigli) /
                                 Codex Segonensis (Terminus Petersen)

Die unterschiedliche Benennung resultiert aus der Einsicht, daß das fragliche Fragment zwar in der Pariser Nationalbibliothek lagert, aber offenbar der Kopistenwerkstatt in Saint-Denis entstammt (Bischoff 256).
Die Bezeichnung 'Seine-Kodex' wird somit beiden Orten gerecht.

Folium 71 verso enthält unter lateinischem Text in karolingischer Minuskel zwei Gotica:
Das erste enthält eine Auswahl biblischer Eigennamen:
Außer Paitrus = Petrus sind dies (Genitive; in Folge) :

Textstelle LUKAS Codex Argenteus Cod.Seg. gotisch Cod.Seg.lateinisch BibliaSacraVulgata Nov.Test.Graece
3, 24 Laiwweis Laiueis Leuis Levi Leví
3, 24 Mailkeis Mailkeis Melcis Melchi Melchí
3, 27 Zauraubabilis Zauraubabelis Zorobabelis Zorobabel  Zorobabél
3, 28 Airmodamis Airmodamis Ermodamis Helmadam Elmadám
3, 30 Swmaions Simaion Simeon Symeon Symeó:n
3, 29 Aileiaizairis Aileiaizeris Eliezer Eliezer Eliézer

Das zweite Goticum enthält eine Auswahl von Buchstaben des gotischen Alphabets,
deren lautliche Entsprechung lateinisch transliteriert ist:

Lettern synoptisch
 

Bislang erschienene Literatur

1984 Bernhard BISCHOFF: Ein karolingisches Denkmal des Gotischen (zweite Hälfte des neunten Jahrhunderts);
Anecdota novissima - Texte des vierten bis sechzehnten Jahrhunderts; Stuttgart: Hiersemann
(= Quellen und Untersuchungen zur lateinischen Philologie im Mittelalter 7)  pp. 256-258 [+Abb.] 
[Lizensierter Neuabdruck in: Gotica Minora II, Frankfurt {Syllabus}2003]

1999 Wolfgang BINNIG: Gotische Wörter im Pariser Ms. Lat. 528
In: Gotisches Elementarbuch; 5., völlig neu bearbeitete Auflage, Berlin / New York (de Gruyter), pp. 139f.
(Nachfolger des gleichnamigen Buches von Heinrich HEMPEL, das wiederum auf Herbert JANTZENs Gotische Sprachdenkmäler aufbaute)

2000 Piergiuseppe SCARDIGLI: Gotica Parisina
In: Wilhelm Streitberg: Die gotische Bibel; Band I, 7. Auflage, Heidelberg (Winter).
2. Nachtrag: Neuentdeckte gotische Sprachreste = pp. 500-522, hier p. 514 + Tafel 8.

© Christian T. Petersen A.D.2003